
Tage der Restauratoren im Handwerk 09|2026
Vom 10. bis 12. September 2026 standen bundesweit das Wissen, die Erfahrung und das handwerkliche Können von Restauratorinnen und Restauratoren im Mittelpunkt.
Den Auftakt zu den Tagen der Restauratoren im Handwerk bildete am 10. September 2026 ab 15 Uhr eine Veranstaltung im Bildungszentrum Holzbau in Biberach an der Riß. Die bundesweiten Aktionstage machten anschließend an zahlreichen Orten erlebbar, was restaurierendes Handwerk leistet und warum qualifiziertes Handwerk für den Erhalt unseres Bau- und Kulturerbes unverzichtbar ist.
Offene Werkstätten, Baustellen und Führungen, Vorträge, Fachseminare und Workshops gaben an den Aktionstagen Einblicke in die Restaurierungspraxis. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die auch unsere tägliche Arbeit prägt: Wie können wir historische Substanz fachgerecht erhalten und für die Zukunft bewahren?
Weitere Informationen:
→ Tage der Restauratoren im Handwerk
→ Dachverband der Restauratoren im Handwerk e. V.
Erhalten beginnt mit Verstehen
Für uns sind die Tage der Restauratoren im Handwerk mehr als ein Aktionstag. Sie machen eine Haltung sichtbar, die unsere tägliche Arbeit bestimmt:
Erst prüfen. Dann verstehen. Und erst dann entscheiden, was erhalten, repariert oder ergänzt werden muss.
Denn guter Erhalt beginnt mit einem geschulten Blick für den Bestand. Daher geben wir an den drei Aktionstagen Einblicke in die Arbeit unserer Zimmerer, Tischler sowie Maler und Lackierer – am Beispiel unserer Restaurierungsarbeiten im Kloster Loccum.
10. September: Was kann bleiben?
Wie beurteilen Zimmerer historische Holzkonstruktionen?
Ein alter Balken muss nicht makellos sein, um weiterhin seine Aufgabe erfüllen zu können. Entscheidend sind unter anderem Holzart, Schadensbild, Feuchtigkeit, Konstruktion und Tragfähigkeit.
Auch historische Holzverbindungen wie Zapfen, Verblattungen und Holznägel geben wichtige Hinweise darauf, wie ein Tragwerk ursprünglich konstruiert wurde und wie notwendige Reparaturen fachgerecht ausgeführt werden können.
Unser Grundsatz dabei: so viel erhalten wie möglich, so gezielt ergänzen wie nötig.
11. September: Was erzählt uns das Original?
Wie lesen Tischler historische Bauteile und Details?
Holzart, Konstruktion, Verbindungen, Beschläge, Oberflächen und handwerkliche Spuren erzählen die Geschichte eines Bauteils. Sie zeigen, wie es gefertigt, genutzt und im Laufe der Zeit verändert wurde.
Diese Informationen bilden die Grundlage für die Restaurierung. Geschädigte Bereiche werden möglichst gesichert und repariert. Wo Ergänzungen notwendig sind, sollen sie sich fachgerecht in den Bestand einfügen, ohne das Original zu verfälschen.
Mit traditionellen Techniken, passenden Materialien und handwerklichem Fingerspitzengefühl gilt: Neues fügt sich ein – das Original bleibt erkennbar.
12. September: Was steckt unter der Oberfläche?
Wie gehen Maler und Lackierer mit historischen Oberflächen um?
Farbe, Grundierungen, Materialien und Bearbeitungsspuren können wichtige Hinweise auf frühere Gestaltungen eines Bauteils geben. Deshalb beginnt eine fachgerechte Restaurierung nicht mit dem neuen Anstrich, sondern mit der Untersuchung und Bewertung des Bestands.
Nach dem Entschichten werden Holzbauteile bei Bedarf in unserer Tischlerei restauriert und Beschläge überarbeitet. Anschließend wird die Oberfläche fachgerecht neu aufgebaut – vom Kitten über die Grundierung bis zur abschließenden Beschichtung.
So werden Holz, Beschläge und Oberfläche gemeinsam erhalten. Das Ergebnis soll nicht einfach „neu“ aussehen, sondern schützen, gestalten und dem historischen Bestand gerecht werden.
Mehr spannende Informationen und Einblicke in unsere Arbeit rund um das Kloster Loccum gibt’s hier