„Zur Jöllenquelle“: durch und durch ein Original

(Quelle: Westfalenblatt vom 7./8.. Juni 2007)

Bielefeld (WB). Jahrzehntelang lernten die Schulkinder in Jöllenbeck, dass die Jölle bei Brünger im Garten entspringt. Nicht nur die Quelle soll von Herbst an wieder sichtbar sprudeln, auch der Brüngersche Hof an der Amtsstraße wird restauriert: Darin soll im November das einzige Bielefelder Bauernhauscafé eröffnet werden – und „Zur Jöllenquelle“ heißen.

Die Lemgoer Altbauspezialisten Kramp & Kramp und die Architektin Manuela Kramp restaurieren in enger Absprache mit dem Denkmalschutz einen Fachwerkkomplex, der seit 280 Jahren in Familienbesitz ist. 1727 entstand der Grundbau, der 1760/80 verlängert wurde. Die Upkammer wurde 1805 angebaut, der Stall im 19. Jahrhundert; das Heuerlingshaus, das ebenfalls dazugehört, ist von 1801 und heute Heimathaus. Besitzer Carl-Friedrich Brünger: „Nach dem Niedergang der Leinenweberei eröffnete mein Urgroßvater einen Leinenhandel. Der lief so gut, dass er sich das neue Haus leisten konnte.“ Das „neue Haus“ wurde 1897 errichtet, unten befand sich bis vor wenigen Monaten ein Textilgeschäft, Brünger: „Der Laden soll neu vermietet werden.“

Das Außergewöhnliche an dem Fachwerkgebäude:  „Weil er in den letzten fünf, sechs Jahrzehnten ausschließlich als Lager genutzt wurde, ist nie umgebaut worden“, sagt Manuela Kramp. „Deshalb sind die Innenräume praktisch im Originalzustand erhalten – einschließlich der schönen alten Türen und einer Waschküche mit einer Herdstelle von 1838.“  Nur der Rauchfang müsse rekonstruiert werden. Auch Innentüren und bleiverglaste Fenster sind Originale.

Zweite Besonderheit: Was einst auf dem Dachboden eingelagert wurde, lässt es zu, das Café praktisch mit Originalmöbeln einzurichten. Brünger erzählt:  „Dazu gehören Tische, eine Eichen-Standuhr, eine Anrichte aus Eiche, eine Brauttruhe und zwei Urkunden, die meine Vorfahren 1851 bei der Weltausstellung in London für Flachsanbau und ihr gesponnenes Leinen bekommen haben.“

Die Stabilisierung des Gebäudes sei abgeschlossen, berichtet Manuela Kramp:  „In Kürze wird ein Gerüst errichtet, der Dachstuhl verstärkt und das Dach neu eingedeckt.“  Sie hat das Brüngersche Wohnhaus und das Fachwerkgebäude mit einem modernen Glas- und Stahltreppenhaus miteinander verbunden, eine zweite solche Verbindung als Eingangsbereich entsteht zwischen Brüngerschem Haus und Heimathaus: Manuela Kramp: „Dort ist der Eingang zum Café.“ Das wird 70 Plätze haben – und im Sommer einen großen „Kaffeegarten“ unter alten Bäumen. Nicht nur das Haus selbst, auch die Grünanlagen drumherum sollen das ländliche Leben Anno Dazumal widerspiegeln – einschließlich eines kleinen Flachsfeldes.

Das Schnitzwerk an Haus und Upkammer wurde restauriert. Ungewöhnlich ist, dass es keinen Spruch über dem Haupteingang, sondern nur über einer kleinen Nebentür gibt. „Herr leite mich deinem Rath/und nimm mich doch endlich in Ehren an/Anno 1816“.

Am „Tag des Denkmals“ am Sonntag, 9. September, ist das künftige Bauerncafé „Zur Jöllenquelle“ schon vor der Eröffnung zu besichtigen. Es gibt sachkundige Bauführungen durch Mitarbeiter der Firma Kramp & Kramp.