Wenn die Stunden fehlen - Andreas Kramp (CDU) nahm im Rat seinen Hut

(Quelle: Lippische Landeszeitung vom 10. Oktober 2006)

Lemgo-Lieme (ax). Bei der Kommunalwahl 2004 hatte er mit 48 Prozent erstmals nach langer Zeit für die CDU den Wahlkreis in Lieme gewonnen. Vor einigen Wochen stieg er wieder aus der Politik aus: Andreas Kramp. Der Mittvierziger legte im Spannungsfeld „Beruf, Familie, Freizeit“ die „große“ Politik zu den Akten. Kramp: “Die Zeit reicht einfach nicht mehr.“

Der Lemgoer Rat verliert mit Kramp mal wieder einen Unternehmer. Nicht das erste Mal. Schon Martin Oberbracht nahm weiland seinen Hut, danach Hans Schmitting jr.. Beide wie Kramp in der CDU. Kramp wird auch als sachkundiger Bürger nicht weitermachen. „Nur noch im Ortsausschuss und in der CDU-Ortsunion Lieme“, sagt er. „Denn da sind die Termine überschaubar.“ Und somit der zeitliche Aufwand. Wenn sich der Liemer an die vergangenen Monate erinnert, weiß er zu berichten, dass es immer schwieriger wurde, die bisweilen seitenlangen Vorlagen zu lesen uns sich auf die politische Arbeit sachgerecht vorzubereiten. Kurios muten die beiden Termine seines Starts und seines Abschieds an. „In meiner ersten Ratssitzung wurden die Beigeordneten Joswig und Scheuer abgewählt, in meiner letzten der Weg für zwei neue Beigeordnete freigemacht.“ Der Weg seiner CDU in dieser neuen Situation verursacht bei ihm durchaus Bauschschmerzen.

„Die Liemer sprechen ich auf diese Beigeordneten-Sache oft an. Sie reagieren verständnislos. Und ich als Unternehmer kann es verstehen. Wir sind immer für eine Entbürokratisierung gewesen.“ Kramp bemängelt am politischen Geschäft, dass letztendlich doch zu viel hinter verschlossenen Türen stattfindet. „Da sind Entscheidungen für die Bürger bisweilen nicht mehr transparent.“ Eine Handvoll Leute bestimme, was gemacht werde.

Der Ortsteil Lieme, mit rund 3000 Einwohnern ein großer im Stadtgebiet, liegt ihm weiter am Herzen. Das war schon so, als er vor Jahren in die Fußstapfen von Wilfried Cöhring getreten ist. Das Freibad wurde erhalten, das neue Baugebiet „Großer Stein“ geschaffen. Sicher beides Faktoren, die auch dem Schulstandort Lieme entgegenkommen. Die Betreuung der Jugendlichen sei indes noch zu verbessern, sagt Kramp. „Vor allem durch einen offenen Treffpunkt.“ Andererseits sehe es im Bereich der Erwachsenen gut aus. Der Kultur- und Sportring schweißt in Lieme die Vereine zusammen. Die Infrastruktur im Ort mit Sparkasse, Gaststätte und Arzt sei intakt. „Deshalb müssen wir hier auch nicht so soft tagen“, schmunzelt der Bauunternehmer.

Wehmut kommt auf, wenn er an die guten politischen Verbindungen und Beziehungen denkt. Während seiner Arbeit in der CDU konnte Andreas Kramp über die Parteigrenzen hinweg Kontakte knüpfen und pflegen. „Auch wenn die große Euphorie nach zwei Jahren dahin war, aber aus persönlichen Gründen tut mir der Abschied weh.“