Remensnider-Sanierung ausgezeichnet

(Quelle NW März 2002)

Beispielhafte Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Energiespar-Technologie gewürdigt

Herford. Seit ein paar Tagen blinkt ein silbriges Schild am Remensniderhaus an der Brüderstraße. Ostwestfalens Fachwerkhaus mit dem bedeutendsten Ziergiebel, von 1999 bis 2001 grundsaniert, ist im bundesweiten Wettbewerb - Energiesparen in Baudenkmälern" des BHU (Bund für Heimat und Umwelt) ausgezeichnet worden.

- Fünf Jahre beschäftige ich mich mit dem Erhalt historischer Häuser und jetzt dieser Preis. Der zeigt einem: Du bist auf dem richtigen Weg", freut sich Architektin Manuela Kramp aus Lemgo. Sie hatte das Konzept für die umfassende Instandsetzungerarbeitet. Das sah nicht nur den Erhalt von Westfassade und Rückfront vor, sondern umfasste auch die Sicherung der Statik des mehrgeschossigen Hauses. Seit in unmittelbarer Nähe Autos an dem historischen Gebäude vorbeifahren, hatten sich Verbindungen der Balkenkonstruktion gelöst und einige Gefache nach außen geneigt. „Hier musste unterfangen und stabilisiert werden", sagt Architektin Kramp.

In Schritten wurden die Arbeiten umgesetzt. Zu denen neben dem Einbau eines zentralen Treppenhauses auch die Installation einer Wandheizung gehörte. „Sie ist praktisch eine in die Wand verlegte Fußbodenheizung", erläutert die Architektin das Prinzip. Diese Heizung hat den Vorteil, dass sie die aus Lehmbausteinen aufgeführten Wände trocken hält und so einen organischen Wärmeaustausch zwischen innen und außen und ein angenehmes Raumklima im Baudenkmals selbst sichert.Ein weiterer Pluspunkt im Sanierungskonzept war die Aufarbeitung der barocken Blockrahmen- und der gut 200-jährigen Kastenfenster. Entweder wurden von innen Vorfenster vorund in jedem Fall Isolierglas eingesetzt.

Zusammen mit zehn weiteren vorbildlich restaurierten Denkmälern wird das in der Preisträger-Broschüre des BHU vorgestellt. Die Dachorganisation aller deutschen Heimatbünde mit Sitz in Bonn setzt sich vor allem für den Einsatz moderner Techniken und Ideen zur Reduzierung des Energiebedarfs in historischer Bausubstanz ein. Die Jury war sich einig. Sie hält „die denkmalgerechte Sanierung für sehrgelungen und nachahmenswert" steht es in der Imagebroschüre.

Nicht weniger stolz ist Frank Liedtke auf die Auszeichnung. Der Herforder hat das Remensniderhaus von der Wohnbau erworben. Neben dem (relativ) günstigen Kaufpreis handelte er sich die Verpflichtung ein, das 1561 erbaute Haus wieder herrichten zu laissen. Aber damit stand Liedke nicht solo, die Sanierung wurde Familienanliegen. „Vom Entkernen bis zum Entsorgen, vom Vorbereiten der Balken für die Konservierung bis zu Handlangerarbeiten haben Familienmitglieder mitgeholfen", sagt der Hausherr. Trotz vieler mit dem Kramp Konzept abgestimmter Eigenleistungen kostete die Verjüngungs-kur" des Remensnider fast eine Million Mark.

Heute ist das bedeutende architektonische Kleinod der Stadt nicht nur optisch wieder ein Hingucker, auch der Wohnwert des Gebäudes wurde gesteigert. Im Erdgeschoss hat sich Andreas Liedtke mit dem Fachgeschäft für antikes Wohnen und Bauen eingerichtet. Darüber wohnt Hausherr Frank Liedtke und ein Stock höher ein Mieter.

(Text: Lothar Nenz/Foto: KIEL-STEINKAMP)