Oberrospher restaurieren Fenster aus der Krupp-Villa

(Quelle: Oberhessische Presse vom 22. Februar 2006)

Älteste Glasscheiben sind von 1644 Anspruchsvoller Auftrag aus Essen

Oberrosphe. Die Glasmalerei Klonk und Hartmann restauriert zurzeit in Oberrosphe 36 Glasscheiben mit Malereien aus der Villa Hügel, dem ehemaligen Wohnsitz der Familie Krupp in Essen.

"Dieser hochwertige Auftrag ist für uns etwas besonderes", freute sich Inhaber und Glasmalermeister Michael Hartmann über den anspruchsvollen Auftrag aus Essen. Von den insgesamt 36 mundgeblasenen Scheiben sind zahlreiche mit handgemalten Medaillons verziert, die bei Temperaturen von rund 700 Grand Celsius in das Glas eingebrannt wurden.

"Die ältesten sind die Toilettenscheiben aus dem Jahr 1644", hebt Hartmann hervor und erklärt, dass viele der Malereien unter der Witterung, Frost- und Schwitzwasser, Temperatur-Unterschieden und der Umweltverschmutzung gelitten haben. Eine weitere Ursache, die eine Restaurierung notwendig machte, ist, laut Hartmann, "dass die Temperatur beim Einbrennen nicht hoch genug war und die Farben dadurch nicht beständig sind."

Der Glasmalermeister zeichnet die Bilder an den notwendigen Stellen mit Kaltkontur nach – eingebrannt werden die neuen Teile aber nicht. Als "reversible Ergänzung" bezeichnet Hartmann seine Tätigkeit. Mit Lösungsmittel kann sein "Werk" wieder entfernt werden. "Die originale Substanz darf nicht verändert werden. Das ist der Grundsatz der Denkmalpflege", ergänzt er.

Die einzelnen Scheiben werden in den massiven Eichenholzrahmen durch Bleisprossen gefasst, von denen auch einige gerostet sind und ersetzt werden. Zusätzlich werden fehlende Glasstücke ersetzt. Ist aus einem Bild ein Teil herausgebrochen, wird es durch ein Stück Glas ersetzt, das nur die Konturen und die Farbschattierung des ursprünglichen Bildes nachzeichnet. "So waren wir den Schein des Bildes, greifen aber nicht spekulativ in das Bild ein", so Hartmann.

Nur um die Rahmen muss sich die Oberrospher Firma nicht kümmern: Diese werden vom Lemgoer Unternehmen Kramp und Kramp restauriert. Durch die Holzrestaurierungs-Spezialisten kam die Klonk und Hartmann GmbH an den Auftrag heran: Mit einem der in Lemgo angestellten Restauratoren arbeiten die Oberrospher in Korbach an der Kilianskirche zusammen – über ihn wurde jetzt der Kontakt hergestellt. Hartmann reiste dann für einen Tag nach Essen in die "beeindruckende" Villa Krupp, erstelle einen Schadensbericht und ein Angebot und erhielt wenige Tage später den Auftrag.