Neue Fenster für Nofretete

(Quelle: Lippische Landeszeitung vom 15. Dezember 2006)

Sanierungsspezialist Kramp an Wiederaufbau des Neuen Museums beteiligt

Lemgo/Berlin (al/da). Auf der Museumsinsel in Berlin entsteht das wohl bedeutendste deutsche Museumsensemble neu. Mit dabei: die Lemgoer Spezialisten für Altbausanierung der Firma G. Kramp GmbH & Co. KG. Sie sind zuständig für die Restaurierung der historischen Fenster des Neuen Museums. Das Auftragsvolumen beträgt 1,15 Millionen Euro.

Das Neue Museum:2009 soll die Sanierung abgeschlossen sein - mit restauratorischer Hilfe aus Lippe.

Foto: Glaser

Detaillierte Pläne als Grundlage:Restaurator Guido Kramp (Mitte) und die Tischler Michael Kunze (links) und Torben Kandale modernisieren die historischen Fenster für das Neue Museum.

Für Guido Kramp (37), Geschäftsführer und Restaurator im Tischlerhandwerk, ist das alles andere als ein normaler Auftrag. "Wir wirken mit auf der größten Kulturbaustelle Deutschlands. Auf der Museumsinsel werden künftig 6000 Jahre Menschheitsgeschichte dokumentiert. Das ist schon etwas Besonderes, zumal das Neue Museum wieder zur Heimstätte der weltberühmten Nofretete-Büste wird."

Und das sagt einer, der gerade erst an einem größeren Projekt an der Villa Hügel in Essen beteiligt war und auch ansonsten ständig in großen Teilen Deutschland - "von Hamburg bis zum Ruhrgebiet" - unterwegs ist. Im Rathaus der Hansestadt Bremen hat Kramp ebenso gearbeitet wie im Junkerhaus Lemgo - und auch der Aufbau von Kloster Dalheim zu einem Museum des Landschaftsverbandes wird ganz wesentlich von den Liemern begleitet.

Für den Berliner Auftrag, an dem zu Spitzenzeiten bis zu 15 Fachkräfte gleichzeitig arbeiten, hatte sich Kramp mit einem Görlitzer Unternehmen zu einer Bietergemeinschaft zusammengeschlossen und sich dann bei einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt. Dieses Vorhaben läuft bis Ende Januar 2008 und stellt besondere Herausforderungen an die Restauratoren. 

Die Fenster sind etwa 150 Jahre alt, bis zu 17 Quadratmeter groß und zum Teil mehr als eine Tonne schwer. Aufgabe des Lemgoer Unternehmens ist es, die alten Fenster in Berlin zu demontieren, in Lippe zu restaurieren und sie schließlich in der Hauptstadt wieder einzusetzen. Dabei soll so viel historische Substanz wie möglich erhalten bleiben - von der Beschlagtechnik bis zum Holz. Gleichzeitig müssen jedoch die Rahmen verstärkt und die Scheiben mit Verbundsicherheitsglas sowie elektronischer Alarmtechnik ausgestattet werden. Vor der erneuten Montage überprüft ein Fachinstitut bei Rosenheim die Muster der restaurierten Fenster.

Das Neue Museum ist vom Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler erbaut worden und öffnete 1859 seine Pforten. Damals erschloss der Bau mit seinen Leichtbauziegeln und Eisenguss-Fertigteilen technisches Neuland. In den letzten Kriegsjahren ist er jedoch weitgehend zerstört worden und war mehrfach vom Abriss bedroht. 

1985 fasste dann die DDR den Beschluss, das Gebäude wieder aufzubauen. Es dauerte dann aber noch bis 1997, ehe die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem britischen Star-Architekten David Chipperfield einen Projektverantwortlichen fand. Für Guido Kramp ist auch die Zusammenarbeit mit diesem weltweit tätigen Planer eine besondere Auszeichnung.

Die gesamte Museumsinsel mit Bode-Museum, Pergamonmuseum, Altem und Neuem Museum sowie der Alten Nationalgalerie ist 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Auf der Spree-Insel will man die Chance nutzen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Sammlungen aus Ost und West wieder zusammenzuführen. Dem Neuen Museum kommt dabei die Aufgabe zu, das Ägyptische Museum und das Museum für Vor- und Frühgeschichte zu beherbergen.

Die Wiedereröffnung des Museums ist für 2009 geplant. Dank eines mittelständischen lippischen Unternehmens mit frisch renovierten, einbruchsicheren Fenstern, die ihre klassizistische Herkunft nicht verleugnen.