Letzte Schläge mit dem Schlegel

(Quelle: Lippische Landeszeitung vom 13. März 2008)

Lemgo-Lieme (te). Es wird mindestens Ende April werden, bis das Torhaus neben "Hertie" seinen prächtigen Renaissance-Giebel wieder erhält. Die Restaurierungsarbeiten haben sich länger hingezogen als erwartet. Inzwischen sind die Handwerker der Liemer Firma "Kramp & Kramp" aber auf der Zielgeraden.

Alt und Jung:Maik Ebert setzt das Stecheisen für die Kamera noch einmal an einem der neu geschnitzten Muster des Torhaus-Giebels des Hauses Mittelstraße 24 an. Karl Schölpert schaut ihm über die Schulter. Zahlreiche Hölzer mussten die Restauratoren in dem Renaissance-Fachwerk ersetzen.

Drei Viertel des Fachwerks liegen ineinander gesteckt in der Werkstatt. Deutlich hebt sich die neue Eiche in den Ständern, Querbalken und Medaillons durch ihre helle Farbe von dem alten Holz ab. Das soll so sein, damit jeder sofort alt und neu unterscheiden kann.
An vielen Stellen leuchtet neues Holz hellbraun. "Der Zustand war sehr marode", schildert Bauleiter Martin Kämper. "Das haben wir erst gesehen, als die Farbe runter war." Dabei wurde auch deutlich, wie viele Stellen bei der vorhergehenden Sanierung in den 70er-Jahren mit Epoxidharzen ausgebessert worden waren. Gerade diese, damals übliche Technik hat nach Ansicht der Holz-Experten zu weiterem Verfall des über Lemgo hinaus bekannten Giebelschnitzwerks geführt. Wasser drang zwar in die Konstruktion ein, konnte aber nicht mehr raus, das Holz wurde morsch.
"Von oben nach unten haben wir immer mehr Teile austauschen müssen", berichtet Zimmermeister und Restaurator Maik Ebert. Ein kompletter Querbalken wurde neu eingesetzt. Er wird auch neu geschnitzte Sinnsprüche tragen, die aber den alten bis aufs Detail gleichen sollen. Dafür sind eigens Foto-Vorlagen im Maßstab 1:1 angefertigt worden.
Derzeit liegen die letzten Elemente auf der Werkbank des Holzschnitzers. Danach werden alle Elemente in der gewohnten Farbgebung neu gestrichen. Karl Schölpert von "Alt Lemgo" hat dafür eine genaue Farbdokumentation angelegt.
"Wir peilen den Wiederaufbau für Ende April an", blickt Firmenchef Guido Kramp voraus. An Ort und Stelle müssen dann noch Restarbeiten erledigt werden - wie das Belegen der Buchstaben mit Blattgold.
Die Sanierung sei in enger Abstimmung mit Denkmalpfleger Ralf Niemeyer und "Alt Lemgo" abgelaufen, betont Kramp. Karl Schölpert ist vom Ergebnis überzeugt. "Eine sehr positive Arbeit", urteilt er knapp und ist froh, dass die Restaurierung dem Ende entgegen geht. Denn der Torhaus-Giebel von 1593 sei in vielerlei Hinsicht sehr bedeutsam. Er ist einer der schönsten und bildhaftesten in der Stadt. Gleichzeitig zeigt er einen Stilwechsel in der Ornamentik: Fächerrosetten werden von Beschlagwerk-Schnitzereien und floralen Mustern abgelöst. In den Figuren zeige sich zudem ein Rückgriff auf die späte Gotik, so Schölpert.