Kunden unter Aufsicht?

(Quelle: genau 3, März 2007)

Neue KfW-Förderrichtlinien sollen die Schwarzarbeit eindämmen. Dafür schaffen sie neue Probleme.

Die KfW-Förderbank will den Kampf der Bundesregierung gegen die Schwarzarbeit unterstützen. Dazu könnte sie schon mit einem Satz beitragen, der seit Anfang dieses Jahres in vielen Förderprogrammen der Bank steht: „Voraussetzung für die Fördermittelgewährung ist die Durchführung der Maßnahmen durch einen Fachbetrieb.“ Die Änderung sei „in dem Kontext zu sehen, dass die Bundesregierung sehr viele Initiativen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit gestartet hat“, sagt KfW-Sprecherin Christine Volk.

„Ich gehe davon aus, dass sich durch die neuen Regelungen die Schwarzarbeit wirklich eindämmen lässt“, sagt Tischlermeister Guido Kramp aus Lemgo.  Für den Geschäftsführer der Kramp & Kramp GmbH & Co. KG sind die KfW-Darlehen ein wichtiges Förderinstrument: „Wir machen viel Altbausanierung und hatten 2006 sehr viele KfW-Kunden.“  Wenn die Förderbank nun gegen Schwarzarbeit vorgehe würden die Fachbetriebe davon auf jeden Fall profitieren.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet Kramp hingegen eine zweite Änderung der KfW-Förderrichtlinien: Auch die so genannten Eigenleistungen von Privatkunden will die Förderbank nun einschränken. Kunden, die bisher Eigenleistungen erbrachten, konnten sich zumindest das Material von der KfW fördern lassen – einen Nachweis über die Eigenleistungen mussten sie nicht erbringen. Das soll sich ändern: „Eigenleistungen sind noch möglich, wenn sie von einem Fachunternehmen beaufsichtigt wurden“, berichtet Volk. Dann müssten Kunden nicht nur nach Material- und Lohnkosten aufgeschlüsselte Handwerkerrechnungen vorlegen, sondern auch die Unterschrift eines Betriebs, dass der die Eigenarbeiten kontrolliert hat.

Nach Kramps Einschätzung könnte diese Änderung ebenfalls die Schwarzarbeit dämpfen. „Privatleute müssen Fachleute finden, die denen die Bestätigung schreiben, aber kein Unternehmer hat Interesse daran, Schwarzarbeit oder Nachbarschafshilfe zu fördern.“ Und was ist mit den kleinen Nebenarbeiten, wenn Kunden zum Beispiel ein paar Euro sparen wollen, indem sie beim Abtransport von Bauschutt helfen? „Im kleinen Bereich würden wir das schon machen, wenn es nichts mit der Statik oder mit Facharbeiten zu tun hat“, sagt Kramp. Weiter würde der Restaurator im Handwerk jedoch nicht gehen: „Was fachlich ins Tischlerhandwerk fällt, das können die Kunden nicht leisten und dafür werde ich auch keine Unterschrift leisten.“ Zur Vorsicht rät auch Rechtsanwalt Bernd Hinrichs aus Aurich: „Von solchen Unterschriften kann ich nur abraten.“ Auch sei nicht geregelt, was zur Fachaufsicht gehöre, wie sie vergütet werde und was für Haftungsfolgen sich daraus ergeben könnten. „Das hat jemand am grünen Tisch geplant, ohne sich über die Umsetzung Gedanken zu machen“, monierte Hinrichs. (jw)