Kein Fall für den Bagger

(Quelle: Deutsches Handwerksblatt vom 03. Mai 2007)

Eigentümer Oliver Klemisch hat viel versucht, um das Haus „Hauptstraße 42“ vor dem Abbruch zu retten – vergeblich. Das Fachwerkgebäude, das zu den ältesten in Lippe zählte, steht nicht mehr. Dank der Lemgoer Firmengruppe Kramp & Kramp, Spezialisten für Baudenkmalpflege, könnte das Haus jedoch trotzdem eine Zukunft haben.

Klemisch und der Restaurator Guido Kramp waren sich sehr schnell einig. Das Gebäude aus dem Jahr 1614 sollte nicht einfach mit der Abrissbirne dem Erdboden gleich gemacht, sondern sorgsam abgetragen werde. Die tragenden Ständer, Riegel und Streben des Fachwerks sind noch in einem so guten Zustand, dass Kramp das Baugefüge behutsam zerlegt und auf seinem Firmengelände in Lieme eingelagert hat.

„Wir hoffen, dass sich dann ein Liebhaber von altem Fachwerk findet und das Haus wieder aufbaut. Und zwar in Kippe.“, erklärt Dr. Heinrich Stiewe, wissenschaftlicher Referent beim Detmolder Freilichtmuseum. Er hat sich mit dem Gebäude zuvor intensiv beschäftigt und begrüßt den möglichen Erhalt des Hauses: „Es ist sowohl bauhistorisch wie sozialgeschichtlich hoch interessant.“ Es handle sich um ein Zweiständerhaus, wie sie in Lippe nur bis etwa 1650 gebaut wurden. Es sei außerdem handwerklich sehr gut und solide aus Eichenholz verzimmert.

Für Stiewe verrät das Gebäude aber auch viel über das Leben lippischer Kleinkötter im 17. Jahrhundert. Kleinkötter waren Bauern, die nur wenige Scheffelsaat (ca. 0,17 Hektar) Land und ein bis zwei Kühe oder eine Ziege besaßen. Sie arbeiteten als Dorfhandwerker oder gingen als Wanderarbeiter außer Landes. Besonders interessant sei, dass das Gebäue 1646 erweitert wurde. Das sei zu dieser Zeit – zwei Jahre vor Ende des Dreißigjährigen Krieges – sehr ungewöhnlich. Der Eigentümer müsse zu Geld gekommen sein.

Dieses Rätsel können aber weder Klemisch noch Vorbesitzerin Christel Dudzek lösen. Oliver Klemisch hat acht Jahre lang versucht, das Baudenkmal zu erhalten. Er stand im Kontakt mit den Denkmalbehörden, der Fachschule für Baudenkmalpflege und anderen Einrichtungen. Eine Lösung fand er jedoch nicht; die komplette Restaurierung und Sanierung hätte den Bauingenieur wohl mehr als 400.000 Euro gekostet. Die Firma Kramp bot eine Alternative mit ihrem Abbau und der Einlagerung.