Handwerk bewahrt Denkmale

(Quelle: DHB magazin 11/08)

Alle Gebäude unserer Dörfer und Städte wurden von Handwerkern geschaffen und gestaltet, sie sind Zeugnisse der Handwerkskultur und prägen unsere Identität. Pflege und Instandhaltung alter Bausubstanz gehörten in vorindustrieller Zeit zu den alltäglichen Aufgaben der Handwerker. Traditionelle Techniken wurden lückenlos weitergegeben und Baustoffe und –material aus der unmittelbaren Region verwendet Über die Jahrhunderte hat das Handwerk unseren Denkmal- und Altbaubestand bewahrt.

Um die Qualität der Restaurierungsarbeiten auch für die Zukunft zu sichern, hat das Handwerk Mitte der 1980er Jahre die Qualifizierungsmaßnahme „Restaurator im Handwerk“ auf Meisterebene und den „Gesellen für Instandsetzungsarbeiten in der Denkmalpflege“ auf Gesellenebene eingeführt. Die ca. 600 Stunden umfassende Fortbildung zum Restaurator im Handwerk ist in einen fachübergreifenden und einen fachspezifischen Teil gegliedert. Fortbildungsträger sind im Wesentlichen die in einer Arbeitsgemeinschaft verbundenen sechs Fortbildungszentren für handwerkliche Denkmalpflege (Raesfeld, Trebsen, Wriezen,Görlitz, Herrstein, Fulda). Die Prüfungen werden von den zuständigen Handwerkskammern abgenommen. So sind die Handwerker auch für die Zukunft gut vorbereitet.

Trotzdem sehen wir auch Probleme. Die Ausnahmeregelung im § 24 der EnEV fordert zwangsläufig den Konflikt zwischen Klimaschutz und Denkmalschutz heraus. In diesem Konflikt wird es für den ausführenden Handwerker/Restaurator im Handwerk besonders schwierig, wenn nicht unmöglich, nach einem realisierbaren Weg zu suchen zwischen den Extrem einer wärmetechnisch optimalen Lösung, welche die Möglichkeiten heutiger Materialien und Technologien konsequent nutzt, und dem Extrem des Bestandsschutzes, der dem materiellen sowie ideellen Wert des historischen Gebäudes Rechnung trägt.

So birgt beispielsweise eine energetische Sanierung, die nicht allen Erfordernissen des Altbaus Rechnung trägt, erhebliche Risiken, wie Durchfeuchtung einzelner Bauteile, Schimmel und Befall durch Hausschwamm. Wir Handwerker haben noch andere Sorgen. In den letzten Jahren sind die Aufgaben der Denkmalämter beschnitten worden, und es wurden wichtige Betreuungsfunktionen preisgegeben.

Diese Politik signalisiert, dass eine denkmalgerechte Sanierung nicht länger gewünscht sei und hinter andere Interessen zurückzutreten habe. Insbesondere der personelle Abbau in den Landesdenkmalämtern und die rigorose Streichung von Zuschüssen, die durch die Denkmalämter vergeben werden, zeigen bei den verantwortlichen Politikern ein mangelndes Wissen um die positiven Impulse der Denkmalpflege und der Altbausanierung für die Wirtschaft.

Für das Handwerk hat diese Politik unmittelbar negative Auswirkungen bei der Auftragslage, in manchen Fällen wirkt sie sich existenzbedrohend aus. Bei der Auftragsvergabe muss die Qualifikation der Betriebe berücksichtigt werden. Erfahrene Betriebe, die ihre Kosten realistisch kalkulieren, werden benachteiligt, wenn die ausschreibenden Stellen nicht die fachliche Qualifikation in die Prüfung der Angebote mit einbeziehen, sondern allein das billigste Angebot den Zuschlag bekommt.

Wir Handwerker sind für die Pflege und Instandhaltung unserer alten Bausubtanz gerüstet und fordern nun von den Politikern, Bauherren und Architekten ein eindeutiges Bekenntnis zum Schutz unserer Städte und der darin gewachsenen Wirtschaftsstruktur als wesentlichen Bestandteil unserer Kultur und Identität.