Fenster für Nofretete

(Quelle: Lemgo-News.de vom 14. Dezember 2006)

Lemgo (SZ). Auf der Museumsinsel in Berlin entsteht das wohl bedeutendste deutsche Museumsensemble neu. Mit dabei sind die Lemgoer Spezialisten für Altbausanierung der Firma G. Kramp GmbH & Co. KG.

Die Lemgoer sind zuständig für die Restaurierung der historischen Fenster des Neuen Museums. Das Auftragsvolumen beträgt 1,15 Millionen Euro. Für Guido Kramp, Geschäftsführer und Restaurator im Tischlerhandwerk, ist das alles andere als ein normaler Auftrag. »Wir wirken mit auf der größten Kulturbaustelle Deutschlands. Auf der Museumsinsel werden künftig 6000 Jahre Menschheitsgeschichte dokumentiert. Das ist schon etwas Besonderes, zumal das Neue Museum wieder zur Heimstätte der weltberühmten Nofretete-Büste wird.«

Die Firma Kramp hatte sich zuvor mit einem Görlitzer Unternehmen zu einer Bietergemeinschaft zusammengeschlossen und sich dann bei einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt. Der Auftrag läuft bis Ende Januar 2008 und stellt besondere Herausforderungen an die Restauratoren.

Die Fenster sind etwa 150 Jahre alt, bis zu 17 Quadratmeter groß und zum Teil mehr als eine Tonne schwer. Aufgabe des Lemgoer Unternehmens ist es nun, die alten Fenster in Berlin zu demontieren, in Lippe zu restaurieren und schließlich in Berlin wieder einzusetzen. Dabei soll so viel historische Substanz wie möglich erhalten bleiben - von der Beschlagtechnik bis zum Holz. Gleichzeitig müssen jedoch die Rahmen verstärkt und die Scheiben mit Verbundsicherheitsglas sowie elektronischer Alarmtechnik ausgestattet werden. Vor der erneuten Montage überprüft ein Fachinstitut bei Rosenheim die Muster der restaurierten Fenster. Das Neue Museum ist vom Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler erbaut worden und öffnete 1859 seine Pforten. D

amals erschloss der Bau mit seinen Leichtbauziegeln und Eisenguss-Fertigteilen technisches Neuland. In den letzten Kriegsjahren ist er jedoch weitgehend zerstört worden und war mehrfach vom Abriss bedroht. 1985 fasste dann die DDR den Beschluss, das Gebäude wiederaufzubauen und die Ruine zu retten. Es dauerte dann aber noch bis 1997, ehe die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem britischen Star-Architekten David Chipperfield einen Projektverantwortlichen fand.

Die gesamte Museumsinsel mit Bodemuseum, Pergamonmuseum, Altem und Neuem Museum, sowie der Alten Nationalgalerie ist 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Auf der Spreeinsel soll die Chance genutzt werden, die nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Sammlungen aus Ost und West wieder zusammenzuführen. Dem Neuen Museum kommt dabei die Aufgabe zu, das Ägyptische Museum und das Museum für Vor- und Frühgeschichte zu beherbergen. Damit wird es ähnlich genutzt wie schon im 19. Jahrhundert. Die Wiedereröffnung ist für 2009 geplant.