Fenster aus dem Sandbett

(Quelle: Lippische Landeszeitung vom 09. September 2007)

Von Sylvia Tetmeyer

Jöllenbeck/Lemgo. „Wir müssen zwei bis drei Fenster komplett rekonstruieren. Bei den übrigen 14 ist die Substanz noch gut erhalten“, sagt Guido Kramp. In seiner Werkstatt für Restaurierung und Altbausanierung ist der Lemgoer Tischlermeister und Geschäftsführer der gleichnamigen Firma damit beschäftigt,, die Bleisprossenfenster des Leineweberhauses in Jöllenbeck zu restaurieren. Am Tag des offenen Denkmals sollen die historischen Fenster eingebaut sein.

Wie mehrfach berichtet, will Bauherr Friedrich Wilhelm Brünger ein Bauernhauscafé in dem 1727 in der Amtsstraße 22 errichteten Haus eröffnen. In Absprache mit der Denkmalbehörde restaurieren die Altbauspezialisten Kramp & Kramp die Innenräume. Da die Fenster die Witterungseinflüsse relativ gut überstanden haben, hat sich der Bauherr dazu entschlossen, sie ebenfalls einer Generalüberholung unterziehen zu lassen. „Zur Zeit des Barock war die Herstellung von großem Tafelglas nicht möglich. Als Zylinderglas war es nur in kleinen Größen erhältlich“, erläutert Guido Kramp. Das zwei bis drei Millimeter dicke Glas sei deshalb „leicht wellig“, weil es nach dem Blasevorgang in ein Sandbett gelegt und anschließend geglättet wurde.

Die Bleisprossen seien mit einer Ziehmaschine durch ein Profil gezogen worden. Die Windeisen auf der Rückseite dienten der Stabilisierung. „Bei einigen Fenstern müssen die Sprossen ausgetauscht werden, weil sie brüchig sind.“ Die Holzrahmen sollen wieder einen weißen Farbanstrich erhalten. Lediglich in eines der Fenster sind Motive aus farbigem Glas eingearbeitet wie man es von Kirchenfenstern kennt.

Neben den Fenstern befindet sich auch das Deelentor in der Lemgoer Werkstatt. „Da waren acht bis zehn Schichten Lack drauf.“ Der Fachmann erkennt, dass im 19. Jahrhundert Änderungen an der Eichentür, die sich von Beginn an im Gebäude befunden hat, vorgenommen wurden. „Die Zierelemente und die Verbretterung auf der Rückseite würde ich auf 1850 datieren“, sagt Kramp, geprüfter Restaurator im Tischlerhandwerk. Kerbschnitzereien sowie handgeschmiedete Beschläge und Nägel deuten auf die Biedermeierzeit hin. „Wir tauschen faule und marode Stellen durch authentisches Material aus“, erklärt der geprüfte Restaurator im Tischlerhandwerk. Am Ende erhält das Tor seinen ursprünglichen grünen Farbton.

Friedrich Wilhelm Brünger freut sich, dass auch die alte Ladeneingangstür von 1887 noch erhalten ist. „Sie war lange auf dem Dachboden eingelagert“, erzählt der Inhaber der 1.000-Teppichböden-Halle. Wenn das Bauerhauscafé im Dezember eröffnet wird, soll sie zu neuer Geltung kommen.

Am Tag des offenen Denkmals ist das Leineweberhaus von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Nach Bedarf werden Führungen angeboten. Architektin Manuela Kramp sowie Guido Kramp und Diplom-Restaurator Jochen Winkelbach, der die historischen Möbel restauriert hat, stehen für Fragen zur Verfügung. Zudem gibt es eine kleine Bilderausstellung. Friedrich Wilhelm Brünger präsentiert seine Baupläne. Mitglieder der Volkstanz- und Trachtengruppe des Heimatvereins bieten einen kleinen Imbiss an. Ab 15.30 Uhr startet am Heimathaus ein Schnatgang mit Stadtheimatpfleger Hans Klöne. Ziel ist die Marienkirche, in der Kantor Hauke Ehlers um 17 Uhr zum Orgelkonzert einlädt.