Eine Ruine als Bielefelds neue Attraktion

(Quelle: Westfalen- Blatt, Bielefelder Zeitung vom 7.08.2009)

Instandsetzung des Franziskaner-Klosters auf dem Jostberg hat begonnen – besondere Funde

Quelle/Mitte. Mit einer Überraschung haben die Instandsetzungsarbeiten an der spätmittelalterlichen Klosterruine Jostberg in Quelle begonnen: Beim Auskoffern des verwilderten, schuttreichen Kircheninnenraumes stießen die Sanierer auf zwei gut erhaltene Original-Bodenfliesen des Gotteshauses aus dem Jahre 1502.

Die beiden rötlichen, fünf Zentimeter dicken Ziegel sind 17,5 mal 17,5 Zentimeter groß und lassen wichtige Rückschlüsse zu. „Das wir sie gefunden haben, ist ein großes Glück“, sagt Dr. Daniel Bérenger (60), Leiter der Archäologie-Außenstelle Bielefeld im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). „Jetzt wissen wir endlich, wie die Bodenfläche der Kirche ausgesehen hat. Das war nicht bekannt.“ Denn wie fast alle noch nutzbaren Materialien der früheren Franziskaner-Klosteranlage waren auch diese Fliesen im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte in anderen Kirchen oder Höfen verbaut worden.

Wie das WESTFALEN-BLATT bereits berichtete, treibt der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg mit Unterstützung der Stadt Bielefeld und des LWL die Arbeiten an diesem Bodendenkmal mitten im Wald jetzt voran. 70.000 Euro, die vor allem aus Spendenmitteln stammen, soll es kosten, die Ruine so herzurichten und zu sichern, dass auch Laien eine Ahnung von dem erhalten, was hier einmal war. Laut. Dr. Johannes Altenberend, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, ist angestrebt, bis zum Tag des offenen Denkmals am 13. September den Großteil aller Arbeiten beendet zu haben. Dann soll der Bauzaun erstmals Besuchern geöffnet werden. Der 56-jährige Oberstudienrat betont: „Es gibt in ganz Deutschland keine solche Kirche der Franziskaner außerhalb einer Stadt.“ Bérenger sagt gar: „Bielefeld ist um eine Attraktion reicher.“

Rund 250 Kubikmeter Boden sind aus der 26 Meter langen und 9 Meter breiten Kirche bislang abtransportiert worden. Der Innenraum wurde mit Kies aufgefüllt. Bei diesen Erdumschichtungen kamen auch die beiden historischen Fliesen ans Tageslicht. „Andere wertvolle Steine haben wir gesichert und zum späteren Wiederaufbau der Wände an die Seite geräumt“, sagt Rolf Oberschelp. Den früheren Leiter des Bielefelder Immobilien-Servicebetriebes, inzwischen 69 Jahre alt und pensioniert, konnte der Historische Verein als ehrenamtlichen bautechnischen Berater gewinnen.

Er betont, dass es nicht darum gehe, die Kirche komplett wieder aufzubauen. Ziel sei, den Istzustand zu konservieren, indem die Grundmauern mit Einzelsteinen ergänzt und nach oben hin als Frostschutz wasserabweisend verputzt würden. Aktuelle machen die Altbauspezialisten der Lemgoer Firma Kramp & Kramp das Altarfundament wieder sichtbar sowie den so genannten Lettner. Das ist die Stufenartige Barriere, etwa 46 Zentimeter hoch, die damals den öffentlichen Bereich vom klerikalen trennte.

„Den Lettner stellen wir mit Winkelstein-Elementen aus Beton rekonstruktiv her“, sagt Bérenger. „Auch der Haupteingang wird mit einer hüfthohen Betonschale verkleidet, um das bloß liegende Innenmauerwerk zu schützen. Beton“, ergänzt der Archäologe, „ist provokativ, aber auch gesund und ehrlich. Es ist dann klar ersichtlich, dass es sich um eine Ergänzung handelt.“

Eine andere Erkenntnis aus der Startphase der Sanierungsarbeiten bezieht sich auf die Kirchenwände: „Wir haben festgestellt, dass sie komplett verputzt gewesen sein müssen“, erklärt Johannes Altenberend. Die raue Oberfläche der Bau-Elemente deute an, dass diese überdeckt waren: „Der romantische Anblick des Sandsteines, den wir heute haben, war damals nicht gewollt.“

Selbst wenn am Kloster Jostberg die Baufahrzeuge und -materialien noch stören – mit etwas Fantasie fällt der Zeitsprung ins frühe 16. Jahrhundert nicht mehr schwer. Da sind sich die Archäologen einig: „Jeden Augenblick könnte ein Franziskaner-Mönch oder ein Pilger aus der Blütezeit der Anlage vorbeikommen, um nach dem Rechten zu sehen.“

Zur Geschichte des Klosters

Auf Initiative des Kaufmanns Wessel Schrage wurde das Kloster 1502 am Jostberg errichtet. Drei Jahre später beschloss die Ordensleitung, das Kloster in die Stadt Bielefeld zu verlegen, was Papst Julius II. 1507 auch erlaubte. Der Nachfolgebau, das Jodokus-Kloster in der Bielefelder Altstadt, wurde 1511 eingeweiht und 1515 fertiggestellt. Der Papst genehmigte den Abbruch der Klostergebäude Jostberg. Die Kirche sollte als Wallfahrtsort erhalten bleiben, war aber schon 1567 abgebrochen.