Der "Tag des Denkmals" gewährt einen Blick hinter
die Fassaden historischer Bauten

(Quelle: LZ 12.09.2011)

Wenn alt auf neu trifft.

Bad Salzuflen. Wer sie sonst nur von außen bestaunt, durfte gestern einen Blick hinter die historischen Fassaden werfen: Am "Tag des offenen Denkmals" öffnete auch das Haus in der Oberen Mühlenstraße 8 seine Türen.

Von außen sieht das Gebäude in Bad Salzuflen aus, als habe der Zahn der Zeit an ihm kaum genagt. Eine rötliche Fassade mit weißen, nach außen geöffneten Kastenfenstern bestimmt das Bild. "1901" ist auf dem Giebel zu lesen. Doch bereits im Treppenhaus lässt sich erahnen, welche Veränderungen dem denkmalgeschützten Gebäude noch bevorstehen. "Ich hätte mir den Auftrag deutlich einfacher vorgestellt", resümiert Innenarchitektin Gisela Hilse. Zusammen mit den Sanierungsspezialisten von "Kramp & Kramp" hat sie vor einem halben Jahr begonnen, das alte Haus behutsam zu renovieren.

Besonders die enge Bauweise, wie sie in der Salzufler Innenstadt lange Zeit üblich war, hat Probleme aufgeworfen. "Wir mussten so viel mit den Behörden klären, dass der Zeitplan durcheinander kam", berichtet die Architektin. Etliche Vorgaben, unter anderem auch die Brandschutzrichtlinien, galt es zu berücksichtigen, um überhaupt eine Freigabe für die Entkernung zu bekommen.

Sowohl im Parterre als auch in den Obergeschossen schauen sich derweil zahlreiche Besucher um. "Hier war früher mal die Küche", erinnert sich ein Gast und zeigt auf ein leerstehendes Zimmer. Ein privater Bad Salzufler Investor hat das Gebäude gekauft und die Innenarchitektin zusammen mit den Restauratoren beauftragt. "Besonders überrascht hat uns der Dachboden", erinnert sich Guido Kramp und steigt die alten Treppenstufen hinauf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier aus Platznot zwei kleine Schlafräume eingerichtet. "Die Balken an der Decke sind mit etwas Holz einfach angeflickt worden", sagt Kramp mit Blick nach oben. Von der Statik her sei das heute eher bedenklich. "Aber auch das kriegen wir hin", ist Gisela Hilse überzeugt. Der Dachstuhl wird in seiner ursprünglichen Form wieder hergerichtet, auch wenn nicht alle Balken erhalben bleiben. Die Feuchtigkeit aus einem kleinen, nachträglich eingebauten Badezimmer blieb nicht ohne Folgen. "Hier müssen wir Teile austauschen, aber so weit es geht, wird die Ursprungssubstanz erhalten." Auch die weißen Kastenfenster werden den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts noch angepasst: Sie müssen ausgebaut, energetisch saniert und gemäß den Vorgaben des Denkmalschutzes wieder eingelassen werden.

"Insgesamt 120 Quadratmeter. Ideal für eine kleine Familie oder ein Pärchen", findet Gisela Hilse. Bis zum Sommer 2012 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein – und vielleicht wird sich das Gebäude danach erneut beim "Tag des offenen Denkmals" präsentieren und dann zeigen, wie harmonisch Alt und Neu zusammengehen.