Der Bundesverband Restaurator im Handwerk e.V. und seine zukünftigen Aufgaben

(Quelle: Restaurator im Handwerk 2009/2010)

von Guido Kramp

Wir schreiben das Jahr 1999. Auf Initiative des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) wird der Bundesverband „Restaurator im Handwerk e.V.“ gegründet. Seitdem ist viel geschehen. Aus den Anfängen des Verbandes hat sich ein lebendiger Organismus des denkmalpflegerischen Handwerks mit einer starken Öffentlichkeitsarbeit entwickelt. Schrittweise und mit vielen Initiativen brachte der im restauratorischen Handwerk durch seine langjährige Tätigkeit im ZDH wohl bekannte Ulf Schreyögg den Bundesverband voran. Das Logo, das auch das Titelblatt dieser Zeitschrift trägt, wurde zum Inbegriff für Qualitätsarbeit von Betrieben der handwerklichen Denkmalpflege, die Mitglied des Bundesverbandes sind. Wer das Logo trägt, erwarb als Handwerksmeister eine zusätzliche Qualifikation zum geprüften Restaurator im Handwerk. Er hat eine Prüfung bei der Handwerkskammer bestanden, für die er sich in mehr als 500 Stunden vorbereitet hat. Das nahm Zeit in Anspruch, kostete Kraft und Geld.

Zum Vorstand unseres Bundesverbandes gehört als geborenes Mitglied der Vorsitzende der Planungsgruppe „Kultur im Handwerk“ des ZDH, Martin Schwieren. Darüber hinaus gibt es eine enge personelle Bindung zur Arbeitsgemeinschaft der Fortbildungszentren in der Denkmalpflege. Ihr Sprecher, Werner Storz, Leiter der Akademieleiter des Handwerks, Schloss Raesfeld, gehört ebenso als geborenes Mitglied dem Vorstand an, wie umgekehrt unser Geschäftsführer ständiger Gast der Arbeitsgruppe der Fortbildungszentren ist.

Ziel der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesverbandes ist es, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass das zu restaurierende und zu pflegende Kulturgut in die richtigen Hände kommt und es nicht falsch behandelt wird, womöglich durch einen Billigstanbieter. In den Landesgruppen werden Erfahrungsaustausche und Fortbildung groß geschrieben; es werden Messeauftritte besprochen, und es wird die Teilnahme an Denkmaltagen oder an einem Kongress festgelegt. Dabei hat sich in Berlin u. Brandenburg, Nordrhein- Westfalen u. Niedersachen, Bayern, Rheinland- Pfalz oder dem Freistaat Sachsen eine eigene Spezifik entwickelt. Die Arbeit ist ehrenamtlich, doch bei den Handwerkern der Denkmalpflege hat es sich herumgesprochen, dass es sich lohnt, dabei zu sein. Dabei tut es keinen Abbruch, dass sich noch andere Handwerksvereine in Deutschland der Denkmalpflege verpflichtet haben, zu denen z. T. Kooperationsverträge existieren. Sie alle leisten einen Beitrag zur Erhaltung und Nutzung des kulturellen Erbes.

Die kommenden Jahre stellen neue Anforderungen an das Handwerk der Denkmalpflege und an den Bundesverband:

  • Energie sparen heißt Altes in Erinnerung rufen, was oft dem Grundsatz des Energiesparens entsprach, aber auch neue Werkstoffe denkmalverträglich verwenden und gesamtgesellschaftliche Energiebilanzen aufmachen. Das erfordert Diskussion unter den Beteiligten vom Denkmalamt, den Architekten bis zum Bauherrn verbunden mit der Auswertung guter Erfahrungen. Fortbildung ist unerlässlich.

  • Die Fortbildung wiederum kostet Geld. Ein großes Hemmnis ist die Tatsache des Verdienstausfalls während der Zeit der Ausbildung. Es fehlen individuelle Förderungen der Fortbildungswilligen.

  • Durch die regressive Denkmalpolitik in den letzten Jahren, vor allem durch das Zurückfahren der öffentlichen Zuschüsse, ist der Markt in seiner Entwicklung erheblich gestört worden. Daher erscheint es heute weniger attraktiv, sich denkmalfachlich zu qualifizieren als noch vor zehn Jahren. Es fehlen wirtschaftliche Anreize. Ohne die kontinuierliche Fortbildung ist die Erhaltung und Weitergabe der traditionellen Handwerkstechniken, der Materialkenntnis sowie die Einbindung von völlig neuen Überlegungen in die Denkmalpflege akut gefährdet.

  • Es wird immer noch übersehen, dass die Einbeziehung des gesamten Altbaubestandes in eine dem Erhalt der historischen Strukturen verpflichtete Stadtentwicklung zahlreiche neue, qualifizierte und sichere Arbeitsplätze schafft. Das spricht nicht gegen die Industrie. Industrie, Handwerk, Dienstleistungen, Wissenschaft, Bildung, Kultur benötigen die Belebung der nahezu völlig verstummten Zukunftsdebatte, d. h. einer Debatte um die Perspektiven der gesellschaftlichen Entwicklung und ihre bessere Steuerung.
  • Die höhere Lebensqualität von Altbauten schlägt sich heutzutage direkt im Immobilienmarkt nieder. Altbauten in ruhiger Wohnlage sind gefragte Objekte. Details wie historische Böden, Stuckdecken Kastenfenster mit Originalbeschlägen, ein wohnlicher Treppenaufgang schlagen gut zu Buche. Durch substanzerhaltende Sanierungsmaßnahmen können im Altbaubestand beträchtliche Wertsteigerungen erzielt werden.

  • Unkenntnis bei den Eigentümern über die Beratungs- und Fördermöglichkeiten lassen ihnen die Aufnahme ihrer Immobilie in die Denkmalliste als Schicksalsschlag erscheinen.

  • Bei der Auftragsvergabe muss die Qualifikation der Betriebe berücksichtigt werden. Erfahrene Betriebe, die ihre Kosten realistisch kalkulieren, werden benachteiligt, wenn die ausschreibenden Stellen nicht die fachliche Qualifikation in die Prüfung der Angebote mit einbeziehen, sondern allein das billigste Angebot den Zuschlag bekommt.

  • Eine wirtschaftlich nachhaltige Maßnahme ist im Allgemeinen nicht die billigste, sondern die substanzverträglichste und qualitätvollste. Wird Substanz durch falsche Maßnahmen geschädigt, ist der Verlust nicht rückgängig zu machen.

  • Die Verantwortung, die die Handwerker bei Pflege und Erhalt des Kulturerbes übernehmen, ist in der Gesellschaft immer noch zu wenig bekannt. Auch auf den Bautafeln der Baustellen werden Architekten und Ingenieure genannt - die hochqualifizierten Handwerksbetriebe finden in der Regel keine Erwähnung.

    Vieles von dem hier genannten gehört zum fachpolitischen Programm des ZDH. Seine Umsetzung in der Breite der Gesellschaft, verbunden mit einer entsprechenden förderlichen Gesetzgebung wird ohne den Bundesverband und den anderen handwerklichen Verbänden auf der Strecke bleiben. Daher werden diese politischen Ziele die Tätigkeit des Verbandes in den nächsten Jahren wesentlich mitbestimmen.