Das Haus muß atmen - Denkmalschutz:

Restaurator Kramp warnt vor Verwendung falscher Materialien

Bad Salzuflen. "Unbehandelt nehmen Hölzer oft weniger Schaden, als die, die vor 20 Jahren falsch behandelt wurden." Das hat Guido Kramp in seiner Arbeit als Restaurator bemerkt. Der Grund: die Verwendung von Materialien, die beispielsweise nicht atmungsaktiv sind und so den Schädlingsbefall fördern können.

In der Salzufler Innenstadt arbeitete Kramp mit seinem Bruder Andreas an dem denkmalgeschützten Haus in der kleinen Straße "Im Ort". Ein Knackpunkt bei dem Gebäude waren die Fenster. 15 sind aufgearbeitet worden. Zunächst stellten die Restauratoren fest, bei welchen Fenstern sich das Aufarbeiten lohnt. War zu viel Holz marode, wurden sie originalgetreu nach-gebaut.

Der häufigste Fehler bei vorherigen Restaurierungen, sei, so der Fachmann, daß Anstriche und Spachtelmassen verwendet wurden, die zu dicht und damit nicht atmungsaktiv sind. Zeigen sich am Holz Stellen von Zersetzung oder Faulen, sei das ein Zeichen für einen Pilzbefall. Vom Laien oft schwer erkennbar, sieht der gelernte Tischler die Schäden sofort. Ein anderer Grund für Schäden am Holz: die Verwendung unterschiedlicher Hölzer.
"Die quellen und schwinden unterschiedlich", machte Herr Kramp auf die Gefahren aufmerksam. Und ist erst einmal Feuchtigkeit in dem Holz, sind Schäden fast unausweichlich. Beim Anblick der Schäden an den oft denkmalgeschützten Gebäuden "kommen mir die Tränen". Eine Möglichkeit wäre, das Holz gesund zu schneiden.

Die Arbeit des Restaurators ist die eines Mittlers zwischen Denkmalschutz und Wünschen der Besitzer. "Ich muß den Besitzern oft klar machen, wie wertvoll ihre Fenster eigentlich sind", erzählt Guido Kramp. Doch um einen entsprechenden Dämmwert zu erhalten, müßten die alten Fenster keineswegs ausgewechselt werden. Eine Möglichkeit wendete Herr Kramp in Bad Salzuflen an. "Innen haben wir neues Isolierglas verwendet, außen sind die Fenster - wenn nötig - nach historischem Vorbild, aber einfach verglast nachgebaut worden.

" Eine andere Möglichkeit neben diesen sogenannten Kastenfenstern sind Vorsatzscheiben, die innen angebracht werden. Einem historischen Gebäude setzen nicht nur falsche Anstrich auf der Außenwand zu. Auch eine falsche Innendämmung, beispielsweise ohne Hinterlüften Materialien, kann dem Gebäude Schaden zufugen."

Herr Kramps Rat: "Von außen bis innen ohne Luftschicht arbeiten und verträgliche Materialien verwenden." Empfehlenswert seien Lehmsteine, weich gebrannte Ziegel mit einem entsprechenden Kalk- oder Lehmputz. Diese Baustoffe seien atmungsaktiver, nehmen Feuchtigkeit besser auf, geben sie aber auch wieder ab.

Bei einem Anstrich sollten ebenfalls keine Dispersionsfarben verwendet werden, sondern Silikatfarben, die atmungsaktiv sind. Er warnt vor übertriebenen Erwartungen: "Ein Wohnempfinden wie in einem
Neubau bekommt man in einem alten Haus nicht hin - auch nicht mit neuen Materialien. " Atmungsaktiv: Oft stellen Restauratoren fest, daß bei vorherigen Sanierungen mit zu dichten Materialien gearbeitet worden ist.

(Foto: Schwalm)