Blick hinter die Hertie-Fassade

(Quelle: Lippische Langeszeitung 26./27.09.2009)

Denkmalamt prüft die historische Substanz vom „Haus Sonnenuhr“

„Tschüss Hertie“ steht noch im Schaufenster. Doch das ist längst Geschichte. Es wird bereits eifrig an der Zukunft des größten Warenhauses in der City gearbeitet – vor wie hinter den Kulissen.

Lemgo. „Warum machen die denn die schöne Fassade kaputt?“ Eine Passantin in der Mittelstraße versteht die Welt nicht mehr. Ein Arbeiter schlägt mit Hammer und Meißel Teile des Putzes vom „Haus Sonnenuhr“, dem historischen Teil von Ex-Hertie, ab. Hinter der Tat steckt allerdings kein Bau-Frevel, sondern eher das Gegenteil. „Wir lassen prüfen, wieviel historische Substanz noch in der Fassade steckt“, sagt Ralf Niemeyer. Wie der städtische Denkmalexperte weiter erläutert, stammt das historisch anmutende Antlitz des Gebäudes aus den 1950er Jahren. Die Fassade des „Hauses Sonnenuhr“ (benannt nach einem kleinen Zeitmesser oben im Giebel) ist aber weitaus älter. Vermutlich ein reicher Kaufmann hat das Gebäude 1546 errichten lassen, von dem heute nur noch die denkmalgeschützte Wand zur Mittelstraße hin steht. Das kleine Torhaus nebenan stammt aus dem Jahr 1593.

Bei den Arbeiten gestern fanden die Spezialisten von „Kramp & Kramp“ (Lieme) unter anderem einen gotischen Torbogen im Mauerwerk. Dieser ist allerdings durchtrennt von einem Stahlträger, der vermutlich beim Umbau in den 1950er Jahren eingezogen worden ist.

Trotzdem hält Niemeyer es noch für möglich, den historischen Torrahmen wieder herzustellen. Darüber entscheidet allerdings der neue Besitzer des Haues. Die Firma „Amandla International“ (Iserlohn) bezahlt übrigens auch die aktuellen Nachforschungen. Klar ist, dass das „Haus Sonnenuhr“ wieder einen Eingang von der Mittelstraße aus erhalten soll. Wie berichtet, zieht in den linken Teil des ehemaligen Hertie- Hauses der Textiler C&A ein, für das „Haus Sonnenuhr“ ist eine Filiale der Kette Intersport im Gespräch. Amandla- Geschäft sführer Klaus Esser weilte gestern übrigens zu einem Besprechungstermin in der ehemaligen Hertie-Immobilie. Dabei ging es unter anderem um Fragen der Haustechnik. Als Eröff nungstermin für das neue Geschäft an der Mittelstraße hatte Esser gegenüber der LZ das kommende Frühjahr angegeben.