Angenehmes Raumklima in einem mittelalterlichen Fachwerkbau

(Quelle: ENERGIE SPAREN IN BAUDENKMÄLERN )

Ein architektonisches Juwel ist das „Remensniderhaus" in der Brüderstraße in Herford. Das reich verzierte, dreigeschossige Giebelhaus wurde im Jahre 1561 erbaut und gilt als eines der hervorragendsten Baudenkmäler Ostwestfalens. Zwischen 1999 und 2001 erfolgte die grundlegende Sanierung des maroden Fachwerkhaus. Dabei legten Eigentümer und Architektin besonderen Wert auf die Erhaltung von möglichst viel Originalsubstanz, auf die Verwendung von authentischen Materialien sowie auf handwerkliche Arbeitstechniken.

Beim Fachwerk wurden alle Eichenhölzer eingesetzt. Die Ausfachungen an der Westfassade bestehen aus weich gebranntem Backstein in Kalkmörtel-vermauerung als Sicht- bzw. Ziermauerwerk. Auf die Ausfachungen an der Südfassade wurde Außenputz aus Trassmörtel aufgebracht. Die Innenseiten der Außenwände bestehen aus einer Leichtlehmschale mit Holzleichtlehm als Hinterfüllung und Leichtlehmbausteinen als zweite Dämmschicht. Der Wärmedurchgangskoeffizient der Außenwände beträgt 0,53 W/(m²K).

Die bleiverglasten barocken Blockrahmenfenster wurden aufgearbeitet. Sie erhielten von innen Vorfenster mit einer einfach beschichteten Energiespar-verglasung.Die historischen Fenster aus dem 19. Jahrhundert wurden ebenfalls aufgearbeitet und als Kastenfenster mit einem K-Glas/Energiespar-glas versehen.

Auf eine umweltfreundliche Solaranlage wurde aus Denkmalschutzgründen verzichtet. Die Heizungsanlage im Dach des Gebäudes besteht aus einer Gas-Niedrigtemperatur-Heizung mit Brennwerttechnik und einem verdeckten Wandheizsystem in Verbindung mit einer Fußbodenheizung. Zusätzliche Rohrleitungen im Fundament sorgen für die Trocknung bzw. Trockenhaltung des Fundament- und Schwellenbereichs.

Die Wandheizung ermöglicht eine Temperierung und Austrocknung des Wandaufbaus, der zum größten Teil aus Lehm besteht. Durch diesen Baustorf und durch die gewählten Heizsysteme entsteht ein angenehmes Raumklima, das zum Erhalt des Baudenkmals beitragen soll. Der Wärmebedarfsnachweis zeigt, dass auch in Altbauten mit Standardlösungen gute Ergebnisse bei der Energieeinsparung zu erzielen sind.

Die Jury hält die denkmalgerechte Sanierung für sehr gelungen und nachahmenswert. Die Maßnahmen zur Energieeinsparung harmonieren mit dem äußeren Erscheinungsbild des historischen Gebäudes.

Architektin: Dipl.-Ing. Manuela Kramp Richard-WagnerStraße 14 32657 Lemgo